Nein, ich beschwere mich nicht darüber, dass bald Weihnachten ist. Das machen schon genug Reporter-Kollegen, die sich jedes Jahr von neuem darüber aufregen, dass die Lebkuchenherzen zu früh in den Supermärkten liegen. Ich mag Lebkuchen! Aber es ist auffällig, dass die Menschen um mich herum dieser Tage mit den Augen rollen und sagen:" Wahnsinn, jetzt ist bald schon wieder Weihnachten." Was mich daran irritiert, ist das "schon wieder". Bedeutet es, dass das letzte Jahr zu schnell vergangen ist? Gehen andere Jahre denn langsamer vorüber und ist das der Grund, warum die Menschen in diesem November aus allen Wolken fallen?
Mein naturwissenschaftlich orientierter Kollege kann mir direkt ein Rechenbeispiel geben, warum es relativ zur Lebenszeit gesehen stimmt, dass die Jahre kürzer werden je älter man wird: Wenn ein Kind ein Jahr älter wird, zum Beispiel drei Jahre, dann ist das letzte Jahr ein Drittel seines bisherigen Lebens gewesen. Ein Drittel! Das scheint lang, oder? Wenn ich, Ronya, ein Jahr älter werde, dann entspricht das weniger als 3% meines Lebens. Tendenz sinkend!
Ganz im Gegensatz zu Einstein und meinem Kollegen, suche ich nach einer menschlichen und nicht nach einer mathematik-wissenschaftlichen Erklärung. Ich frage also meinen besten Freund und der hört aus dem "schon wieder" eher eine Panik heraus. Die Panik, dass ein weiteres Jahr des Lebens vergangen ist und dass man der Seebestattung damit unweigerlich wieder ein Stück entgegen gesegelt ist. Das ist wohl ein Fakt, aber für die optimistische und lebensfrohe Ronya ein wenig zu theatralisch.
Ich versuche mich also an alle Dinge zu erinnern, die im letzen Jahr passiert sind. In der Technik gab es offenbar ausreichend Zeit für Neuentwicklungen. Heute vor einem Jahr hat sich in Deutschland noch niemand mit hochauflösenden Straßenansichten im Internet beschäftigt, geschweige denn sich darüber beschwert, dass das Kennzeichen des geliebten Autos vor der Tür nicht verpixelt* wurde. Nächstes Jahr um diese Zeit bucht wahrscheinlich kein Tourist mehr ein Hotel, bevor er sich nicht kurz vom Laptop aus die Umgebung angesehen hat!
Und was stand 2010 auf meinem privaten Kalender? Eine Hochzeit, Drei Konzerte, Dinge, die ich dazu gelernt habe und die ganzen Veränderungen im Job. Wo habe ich das letzte Silvester gefeiert? Da muss ich erstmal nachdenken. Ach ja, wir waren bei Freunden. Das kommt mir ehrlich gesagt wirklich lange her vor. Der letzte Urlaub ist sowieso immer viel zu lange her, oder? Beim näheren Hinschauen empfinde ich das letzte Jahr als genauso lang wie es sich für ein Jahr gehört und bin beruhigt.
Und was stand 2010 auf meinem privaten Kalender? Eine Hochzeit, Drei Konzerte, Dinge, die ich dazu gelernt habe und die ganzen Veränderungen im Job. Wo habe ich das letzte Silvester gefeiert? Da muss ich erstmal nachdenken. Ach ja, wir waren bei Freunden. Das kommt mir ehrlich gesagt wirklich lange her vor. Der letzte Urlaub ist sowieso immer viel zu lange her, oder? Beim näheren Hinschauen empfinde ich das letzte Jahr als genauso lang wie es sich für ein Jahr gehört und bin beruhigt.
Für meinen Kollegen wird es nicht so leicht. Für ihn müsste eine neue Zeitrechnung eingeführt werden, damit alle Lebensjahre immer gleich lang sind. Liebe Mathematiker, wie müsste ein Kalender für einen Menschen aussehen, der siebzig Jahre alt wird und bei dem ein Jahr immer ein Siebzigstel seines Lebens ausmacht? Und was ist, wenn der Mensch dann doch achtzig oder gar neunzig wird? Puh, das überlasse ich lieber anderen.
Wie war das letzte Jahr für Euch? War es kurz oder lang und warum? Schreibt mir bitte, mein Kommentarmanager würde sich über ein wenig Arbeit sehr freuen. Und wenn Ihr Euch fragt, warum dieser neue Ronya-Artikel so lange auf sich warten ließ, dann muss ich Euch sagen, dass der letzte Beitrag nur sieben Monate her ist. Das war fünf Monate nach dem letzten Weihnachtsfest. Ist das wirklich so lange her?
*verpixeln = unkenntlichmachen eines digitalen Bildes durch die Verschlechterung der Auflösung.
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